14. Oktober 2025
14. Oktober 2025
Rund 90 Teilhaber:innen und Mitarbeitende reisten zum Jubiläumswochenende ins Allgäu und besuchten eine Gemeinde, die zeigt, wie die Energiewende gelingen kann.
Am 4. und 5. Oktober fand das Jubiläumswochenende der ADEV im Allgäu statt. Rund 90 Teilnehmende – vor allem Teilhaberinnen und Teilhaber, aber auch vier Verwaltungsrät:innen sowie mehrere Mitarbeitende in ihrer Freizeit – reisten mit drei Cars ab Zürich, Bern und Liestal nach Wildpoldsried. Die Gemeinde mit rund 2600 Einwohner:innen gilt europaweit als Vorzeigebeispiel für eine konsequent erneuerbare Energieversorgung.
Zum Auftakt erzählte Günter Mögele, zweiter Bürgermeister von Wildpoldsried, wie alles begann. Vor 25 Jahren brachte ein Generationenwechsel im Gemeinderat neuen Schwung, und innovative Köpfe erkannten das Potenzial der erneuerbaren Energien. Zu diesen Köpfen gehörte auch Wendelin Einsiedler, der mit einer Biogasanlage und einem ersten Blockheizkraftwerk, das mit dem Biogas betrieben wurde, den Anfang machte. Heute sind auf dem Gemeindegebiet mehrere weitere Blockheizkraftwerke in Betrieb, dazu elf Windkraftanlagen – alle als Bürgerwindparks organisiert – und Solaranlagen auf sämtlichen kommunalen und vielen privaten Gebäuden. Inzwischen wird in Wildpoldsried rund siebenmal mehr Strom produziert, als im Ort verbraucht wird.
Am Nachmittag folgte unter der Leitung von Günter Mögele und Wendelin Einsiedler eine Besichtigungstour zu verschiedenen Energieanlagen: Windräder, Blockheizkraftwerke und weitere Beispiele lokaler Energieproduktion. Eindruck hinterliess auch die spürbare Bürgernähe. So besuchte die ADEV-Gruppe etwa das öffentliche Naturschwimmbad, das allen gratis zur Verfügung steht. Entstanden ist dieses aus einer der regelmässigen Einwohner:innenbefragungen, bei denen Wünsche gesammelt und nach Möglichkeit umgesetzt werden.
Am Abend trafen sich alle zum gemeinsamen Nachtessen im Dorfsaal, ausgerichtet vom Restaurant kultiviert. Anschliessend führten Verwaltungsratspräsident Timotheus Zehnder und Geschäftsleiter Thomas Tribelhorn durch ein unterhaltsames ADEV-Quiz: Gefragt war etwa, wie viele Solarmodule in den ADEV-Anlagen verbaut sind* oder welche Mitarbeiterin bzw. welcher Mitarbeiter (abgesehen von Andreas Appenzeller) am längsten bei der ADEV ist** (Lösungen weiter unten). Zum Abschluss blickte eben dieser Andreas Appenzeller humorvoll auf 40 Jahre ADEV-Geschichte zurück.
Nach der Übernachtung in verschiedenen Hotels der Umgebung stand am Sonntagvormittag eine Stadtführung in Kempten auf dem Programm. Die Stadt mit römischen Wurzeln gilt als eine der ältesten Städte Deutschlands; besonders sehenswert war die Hofgarten-Orangerie aus dem 18. Jahrhundert.
So kehrten die Teilnehmenden mit vielen positiven Eindrücken in die Schweiz zurück. Viele entdeckten eine Region, die sie bisher kaum kannten, und begegneten Menschen wie Wendelin Einsiedler oder Günter Mögele, die vormachen, wie engagierte Persönlichkeiten innovativen Projekten ein Gesicht geben können. Vor allem aber nahmen sie die Zuversicht mit nach Hause, dass die Energiewende gelingen kann, wenn alle am selben Strang ziehen.
*Lösung: Knapp 67’000
**Lösung: Brigitta Spiess seit 1998
Die Kosten des Jubiläumswochenendes übernahm vollständig die ADEV. Die Teilnehmenden leisteten lediglich eine Anmeldegebühr von 100 Franken. Davon erhielten sie 50 Franken in Form eines Gutscheins von Gebana zurück, die übrigen 50 Franken gingen als Spende an die Sahay Solar Initiative.
Gebana ist ein Schweizer Unternehmen, das seit den 1980er-Jahren für einen gerechteren weltweiten Handel eintritt, getreu seinem Slogan «Beyond Fair Trade». Konsumentinnen und Konsumenten erhalten die online bestellten Produkte saisonal und direkt nach der Ernte von über 10’000 Bäuerinnen und Bauern in Afrika, Südamerika und Europa. Ziel ist eine faire, nachhaltige Lieferkette mit Umsatzbeteiligung und langfristigen Abnahmegarantien für die Produzent:innen.
Die Sahay Solar Initiative setzt sich dafür ein, in Äthiopien den Zugang zu Strom zu verbessern. Viele Familien in ländlichen Regionen sind dort noch auf Petroleum und Holz angewiesen, was teuer, umwelt- und gesundheitsschädlich ist. Durch den Ausbau der Solarenergie entstehen neue Möglichkeiten: Beispielsweise Schulunterricht auch nach Einbruch der Dunkelheit, sichere Lagerung von Medikamenten und eine bessere medizinische Versorgung. Damit schafft das Projekt grösstmögliche ökologische, ökonomische und soziale Mehrwerte und legt die Grundlage für Bildung, Gesundheitsversorgung und wirtschaftliche Entwicklung. Partner wie die Hochschule Luzern (HSLU) führen regelmässige Solartrainings vor Ort durch und haben Ausbildungsunterlagen entwickelt, die 2017 mit dem Schweizer Solarpreis ausgezeichnet wurden.