12. März 2026

Ein kunterbunter ZEV

In Sursee verknüpft die ADEV zwei Solaranlagen und ein Kleinwasserkraftwerk in einem Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV).

Mit der Anlage auf dem Dach des neuen Sekundarschulhauses nahm die ADEV 2024 in Sursee eine weitere Solaranlage in Betrieb. Eine andere grosse ADEV-Anlage produziert seit 2013 Solarstrom gleich nebenan auf dem Dach der Stadthalle. In unmittelbarer Nachbarschaft betreibt ausserdem die Genossenschaft Windenergieanlage Diegenstal (GWD) seit dem Jahr 2001 ein Kleinwasserkraftwerk an der vorbeifliessenden Suhre.

Gemeinsam mit der ADEV entwickelte die Stadt Sursee die visionäre Idee, die drei Produktionsanlagen in unmittelbarer Umgebung in einem ZEV zusammenzuführen. Das Konzept ist so simpel wie sinnvoll: In den Zeiten, in denen die Solaranlagen wenig oder keinen Strom produzieren, liefert das Wasserkraftwerk den Strom. Dadurch lässt sich der Eigendeckungsgrad des angeschlossenen Schulhauses sowie der Stadthalle weiter erhöhen.

Bei der ADEV landen solche Ideen auf dem Schreibtisch von Andreas Appenzeller – sofern sie nicht ohnehin dort entstanden sind. «Wir haben drei Anlagen vor uns, die je nach Typ und Baujahr über unterschiedliche Vergütungssysteme abrechnen: Das Kleinwasserkraftwerk wird noch über die Mehrkostenfinanzierung (MKF) gefördert. Die PV-Anlage auf der Stadthalle stammt aus der Zeit der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV). Und die neue Anlage auf dem Schulhaus rechnen wir in einem ZEV direkt mit der Stadt Sursee bzw. mit der lokalen Energieversorgerin CKW ab.» 

Komplexe Abrechnung

Neuartig ist also nicht nur die Verknüpfung verschiedener Energiequellen in einem ZEV, sondern vor allem auch die komplexe Abrechnung der Produktion und der Bezüge. Die ADEV sorgt mit einem ausgeklügelten Netzwerk von Stromzählern dafür, dass jede Kilowattstunde zum richtigen Tarif registriert wird. «Um die CKW und Pronovo zu überzeugen, dass die ADEV-Lösung funktioniert, war viel Denkarbeit, eine Reihe von Skizzen sowie Beharrlichkeit nötig», berichtet Andreas Appenzeller. Schliesslich stimmten aber alle Beteiligten dem Pionierprojekt zu.

Das System, welches die ADEV entwickelt hat, gehorcht der folgenden Reihenfolge: Zuerst wird immer der Strom der neuen Solaranlage auf dem Schulhaus im ZEV verkauft. Reicht dieser nicht aus, wird zusätzlich Strom von der PV-Anlage auf der Stadthalle im Verbund abgesetzt. Und wenn die Solaranlagen wenig oder keinen Strom produzieren, kommt der Strom vom Kleinwasserkraftwerk zum Zug.

Diese Lösung optimiert den Eigenverbrauch und bringt zugleich finanzielle Vorteile für alle Parteien: Die Stadt Sursee als Strombezügerin bezahlt der ADEV einen Strompreis unter dem Referenzmarktpreis. Je grösser also der Anteil aus dem ZEV, desto günstiger wird es für die Stadt. Aber auch für die Betriebsgenossenschaft des Wasserkraftwerkes lohnt sich die Beteiligung: Sie erhält für den in den ZEV gespiesenen Strom einen besseren Preis, als wenn sie ihn zum alten MKF-Tarif von 15 Rappen pro Kilowattstunde verkaufen würde.

Unterschiedliche Rückliefertarife

Überschüssiger Strom aus allen Produktionsanlagen fliesst weiterhin über den gemeinsamen Anschlusspunkt zurück ins CKW-Netz. Dort erhält er den jeweiligen Rückliefertarif vergütet, der für die Anlage gilt, welche ihn produziert hat. «Wenn wir auch diesen Strom in der Umgebung verkaufen könnten, liesse sich die Wirtschaftlichkeit noch weiter erhöhen», weiss Andreas Appenzeller, bereits wieder vom Pioniergeist erfasst. «Mit den Verordnungen auf der Grundlage des neuen Energiegesetzes ist mittlerweile klar, wie zum Beispiel lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) oder weitere Bezugsparteien in der Nähe mit Reststrom aus dem ZEV versorgt werden können.»

Update 2026: Das Projekt ZEV Sursee ist im Rahmen des 10. aeesuisse-Kongresses als «Energiewendemacher:in» nominiert. Die Preisträgerin wird am 7. Mai in einem Publikumsvoting gekürt.